Versicherung: Raucher zahlen das Doppelte

In welchen Versicherungssparten macht es einen Unterschied, ob man Raucher ist oder nicht? „In erster Linie sind Ablebensversicherungen betroffen", schildert Christian Sandig, Geschäftsführer des Wiener Versicherungsmaklers Sandig & Weintraud. „Bei Kranken- und Unfallversicherungen sind die Auswirkungen weniger dramatisch. Wer sehr stark raucht, muss jedoch auch dort mit Konsequenzen wie Prämienzuschlägen bzw. Deckungsausschlüssen rechnen, insbesondere in Kombination mit Vorerkrankungen wie z. B. Bluthochdruck oder Übergewicht."

Der von Sandig zusammengestellte Tarifvergleich der jeweils billigsten zehn Anbieter zeigt: Raucher zahlen im Schnitt das Doppelte, bei der Wiener Städtischen zahlt man als Nichtraucher gar nur 44 Prozent der Prämie eines Rauchers. Selten, aber doch gibt's Ausnahmen: Oberösterreichische und Basler behandeln die Raucher (noch) gleich - ein heißer Tipp für alle, die den Glimmstängel nicht lassen können.

Rückfall schadet nicht

Nun denken Sie sich vielleicht, wer soll schon draufkommen? Sandig rät beim Ausfüllen des Antrags dringend zu Ehrlichkeit, schließlich besteht für Kunden die Verpflichtung zur vorvertraglichen Anzeigepflicht. Als Kunde sei man sonst schnell der Dumme: „Heiß sind hier vor allem die ersten drei Jahre. Bei falschen Angaben kann das Versicherungsunternehmen nach österreichischem Recht nämlich innerhalb von drei Jahren vom Vertrag zurücktreten. Wenn jedoch jemand arglistig etwas verschweigt, dann kann die Versicherung auch später noch zurücktreten. Sollte der verschwiegene Umstand keinen kausalen Zusammenhang mit dem Leistungsfall haben, so muss die Versicherung jedoch sehr wohl leisten (dies muss aber der Versicherungsnehmer bzw. dessen Erben beweisen).

Wie ist das mit Ex-Rauchern? Ausschlaggebend ist der Zustand am Tag des Vertragsabschlusses, heißt: Schließt ein Ex-Raucher eine Ablebensversicherung ab und kreuzt am Vertrag wahrheitsgemäß an, dass er Nichtraucher sei, so muss er einen späteren Rückfall in alte Rauchgewohnheiten der Versicherung nicht melden.

Achtung, als Raucher gilt man allerdings sehr schnell! Sandig: „Die meisten Anbieter fragen, ob man innerhalb der letzten zwölf Monate eine Zigarette geraucht hat." Bei Versicherungssummen über 200.000 Euro wird übrigens sowieso meist ein ärztliches Attest von der Versicherung verlangt, welches dann auch einen sogenannten Cotinin-Test vorschreibt. Durch diesen ist Schummeln ausgeschlossen, weil ein eventueller Nikotingenuss zweifelsfrei im Urin nachgewiesen werden kann.

Deutsche billiger, aber strenger

Seit mehreren Jahren sind im Ablebenssegment zunehmend deutsche Versicherer auf dem österreichischen Markt aktiv. Sind sie auch meist billiger als die österreichischen Institute, haben sie besonders für Raucher einen Nachteil: Die deutschen Anbieter sind strenger als die einheimischen. So beträgt die deutsche Vertragsrücktrittsfrist nicht drei, sondern zehn Jahre und es existiert meist eine bedingungsgemäße Verpflichtung zur Nachmeldung für Raucher. Das heißt: Wer den Nichtrauchertarif abgeschlossen hat, aber wieder zu rauchen beginnt, muss dies spätestens innerhalb von drei Monaten deutschen Versicherern anzeigen. Tut er das nicht, gibt es im Ablebensfall für die Hinterbliebenen nur eine aliquote Leistung, also eine bis zu 50 Prozent geringere Leistung (!), die der Prämie entsprochen hätte, die man als Raucher bezahlt hätte. Es gilt bei Abschluss einer deutschen Ablebensversicherung laut Mag. Erwin Weintraud Folgendes zu prüfen: „Gilt das österreichische oder das deutsche Versicherungsgesetz? Beides ist möglich. So hält sich beispielsweise die DialogVersicherung an österreichisches, die Europa-Versicherung wiederum an deutsches Recht. Aber Achtung, die Klausel bezüglich der Verpflichtung zur Nachmeldung gilt jedoch in beiden Fällen, sobald sie auf dem Antrag oder in den Bedingungen definiert ist!"

Rückstufung für Ex-Raucher möglich

Was den vorher erwähnten Cotinin-Test betrifft, hat Sandig einen Expertentipp parat: „Wenige wissen, dass man den Test auch zur Prämienverminderung einsetzen kann. Wer sich das Rauchen abgewöhnt und zwölf Monate nicht geraucht hat, kann einen solchen Test verlangen und sich rückstufen lassen." Vorsicht ist hingegen bei freiwilligen Vorsorgeuntersuchungen angebracht. Sandig: „Ich rate meinen Kunden, eine solche erst nach Abschluss einer Ablebens-, Kranken-, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung durchführen zu lassen." Der Grund ist einfach: Wer nicht weiß, dass er krank ist, lügt auch nicht, wenn er das am Versicherungsantrag nicht angibt.

Ablebensversicherungen: Basler und Oberösterreichische verlangen gleich viel, sonst zahlen Raucher das Doppelte!

Beispiel: Mann, 40 Jahre alt, Versicherungssumme 100.000 Euro, Laufzeit 20 Jahre

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