Transparente Provisionen

Künftig sollen Versicherungskunden schon vor der Unterschrift unter einen Versicherungsantrag auf den Euro genau wissen, wie viel der Verkäufer der Polizze daran verdient. Das ist das Ziel einer neuen EU-Versicherungsvermittler-Richtlinie, deren Entwurf EU-Binnenkommissar Michel Barnier Anfang Juli vorstellte. Wenn die neuen EU-Regeln wie geplant ab 2014 oder 2015 wirksam werden, dann steht zum Beispiel im Offert, dass für eine Lebensversicherung mit einer Jahresprämie von 1.000 Euro ein Betrag von 1.200 Euro als Verkaufsprovision an den Vermittler fließt. Betroffen sind nicht nur Versicherungsvertreter, sondern alle Vertriebsformen bis hin zum Online-Abschluss. Es ist wenig überraschend, dass die Meinungen über die Transparenz-Richtlinie extrem unterschiedlich ausfallen. Konsumentenschützer begrüßen den EU-Vorstoß. So könne man die Strategie von Versicherungskeilern einbremsen, vorrangig Produkte zu verkaufen, bei denen die eigene Verdienstspanne am höchsten ist. Die Reaktionen der Versicherungsvermittler fallen eindeutig negativ aus. Ihr Hauptargument: Auch andere Verkäufer müssten nicht ihre Verdienstspanne veröffentlichen.

Für sehr bedenklich halten die Versicherungsvermittler die geplante Regel, in bestimmten Fällen Provisionen ganz zu verbieten. So sollen unabhängige Vermittler wie Makler künftig beim Abschluss von Fondspolizzen nur noch Honorare, zum Beispiel 150 Euro pro Stunde, verlangen dürfen. Weil Stundenhonorare gerade bei Verträgen mit kleiner Versicherungssumme relativ teuer sind, könnte der Absatz über Makler unattraktiv werden. Das könnte die Zahl der Vermittler reduzieren.


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