Sollen Risikogruppen höheren Versicherungsbeitrag zahlen?
Welche Versicherung will schon einen Extremsportler unter Vertrag nehmen? Felix Baumgartner, der mit einem Fallschirm regelmäßig von den höchsten Gebäuden der Welt springt, hat es jedenfalls geschafft, einen Spezialvertrag mit einer österreichischen Versicherung auszuhandeln. Diese ist aber gleichzeitig eine seiner Sponsoren. Denn normalerweise würde wohl jede Versicherung den 40-jährigen Salzburger mit seinen Sprüngen von der Christus-Statue in Rio de Janeiro meiden.
Risiko und Prämie
Generell gilt: Jeder Bürger ist in Österreich mittels seines Sozialversicherungsbeitrags krankenversichert. Der Beitrag ist abhängig vom Gehalt. Übergewicht oder Freizeitverhalten spielen bei der gesetzlichen Pflichtversicherung keine Rolle. Anders sieht die Sache bei einer zusätzlichen Kranken- bzw. Unfallversicherung aus: Beim Abschließen einer solchen Polizze werden gewisse Risikogruppen evaluiert. Wer also eine Extremsportart wie Fallschirmspringen oder Paragliding ausübt, muss höhere Beiträge zahlen. Daniela Ebbert vom Versicherungsverband Österreich erklärt das folgendermaßen: „Die Versicherung versucht mithilfe von Erfahrungswerten, Statistiken und mit mathematischen Berechnungen, ein Risiko möglichst genau zu ermitteln. Der Versicherungsnehmer bezahlt dann jene Prämie, die seinem Risiko und den dabei entstehenden Verwaltungskosten angemessen ist."
Gefährliches Moped. Walter Dorner, Präsident der österreichischen Ärztekammer, kann es sich vorstellen, dass Risikogruppen immer höhere Beiträge zahlen sollten: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass eine verpflichtende zusätzliche Versicherungsleistung für Extremsportarten durchaus überlegenswert wäre. Das Fahren mit einem Motorrad oder Moped stellt zwar grundsätzlich ein Fortbewegungsmittel von A nach B dar - allerdings mit erhöhtem Risiko. Dies ist aus meiner Sicht auch bei der Versicherungsleistung zu berücksichtigen."
Keine Rowdys. Gänzlich anderer Meinung ist der Niederösterreichische Patientenanwalt Gerald Bachinger: „Natürlich klingt es verlockend, höheres Risiko durch höhere Beiträge abzudecken. Aber wo setzt man die Grenzen? Nicht jeder Motorradfahrer fährt Kamikaze. Wie hoch sollen denn die Gewichtsgrenzen für höhere Beiträge sein, und wie oft sollen die Risikoparameter evaluiert werden? Ist Bergwandern gefährlicher als Segeln? Wie verhält sich Eistanzen zu Eishockey?" Für den Juristen ist dies außerdem mit einem enormen Überprüfungsaufwand im Einzelfall verbunden. Personen, die tatsächlich gefährliche Sportarten ausüben, haben in der Regel sowieso eine Privatversicherung.
