Private Zusatzversicherungen - Vergleich

Eine Zusatzversicherung beruhigt. Doch wie steigt man möglichst günstig ein und was können Sie tun, wenn Ihnen nun in der Krise die Prämie zu teuer wird?

Geht es mit der Wirtschaft bergab, so bekommen das die privaten Krankenversicherungen so ziemlich als Letzte zu spüren. Kein Wunder. Schließlich ist ein neuerlicher Wiedereinstieg nach einer Kündigung meist mit erheblichen Mehrkosten verbunden, und gab es inzwischen eine ernsthafte Erkrankung, wird man oft gar nicht mehr angenommen.

Zudem sind Babys interessanterweise stets die größte Gruppe der Neukunden, und - Krise hin oder her - Kinder kommen schließlich immer zur Welt.

Trotzdem, die Versicherer haben sich darauf eingestellt, dass die Brieftasche des einen oder anderen Kunden bald schmäler wird. „Wird ein Versicherungsnehmer arbeitslos und kann sich die Prämie momentan nicht leisten, so bieten wir eine kostenlose Prämienfreistellung für ein Jahr", erläutert etwa Mathias Frisch, Leiter Krankenversicherung der Wiener Städtischen Versicherung, „es können in diesem Zeitraum keine Leistungen in Anspruch genommen werden, allerdings kann der Kunde nach Ablauf der Ruhendstellung ohne neuerlichen Gesundheitscheck wieder in die Versicherung einsteigen." Bei UNIQA müssen immerhin 15 Prozent der Prämie aufgebracht werden, um eine Anwartschaft für die Zukunft zu sichern, dafür ist Arbeitslosigkeit als Grund nicht zwingend Voraussetzung.

Reden, bevor Mahnungen eintrudeln!

Auch wenn man noch in der Mindestbindefrist - meist drei Jahre - ist, auf keinen Fall darf der Versicherungsnehmer bei akutem Geldmangel den Kopf in den Sand stecken und die Mahnungen ignorieren. Die Erfahrung zeigt, dass die Versicherungen dann gnadenlos ihre Prämien einklagen. Rechtzeitig mit der Versicherung reden ist also das oberste Gebot. Wer die Prämie bloß etwas reduzieren möchte, kann auch allerorts auf Selbstbehalt oder einen geringeren Leistungsumfang umsteigen. Denn, so erklärt etwa Prokurist Herbert Schleich, Leiter Gesundheitsvorsorge der Merkur Versicherung, „vom vorübergehenden Reduzieren des Leistungsumfangs mit späterer Möglichkeit, wieder in einen Vollschutz umzusteigen, hin bis zu Anwartschaften sind den Kunden alle Möglichkeiten offen".

Jungen Frauen können Umstieg nützen

An sich gilt bei den privaten Krankenversicherungen ja das Motto: Sind sie erst einmal abgeschlossen, bleiben beide Seiten lebenslänglich daran gebunden. Die Versicherung, weil sie dazu gesetzlich verpflichtet ist, und der Kunde, weil ein Umstieg meist teuer kommt.

Es gibt allerdings auch Konstellationen, wo ein neuerlicher Versicherung-Vergleich sinnvoll ist. Laut eines EUGH-Urteils muss nämlich das Schwangerschafts- und Entbindungsrisiko seit einiger Zeit auf Männer wie Frauen gleich verteilt werden. „Gerade jüngere Frauen, die ihre Zusatzversicherung vor einigen Jahren abgeschlossen haben und in der Zwischenzeit keinerlei Erkrankung hatten, können unter Umständen die gleiche Leistung zu einer günstigeren Prämie bekommen", erläutert Versicherungsmaklerin Martina Eschelmüller-Futschik von Sigmasicher.

Private Krankenversicherung: Vergleich und Tipps

Schmal einsteigen hilft sparen

Für Neueinsteiger entscheidet der Gesundheitszustand mit über die Prämienhöhe und auch darüber, ob manche Vorerkrankungen nicht gleich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen werden. Der künftige Versicherungsnehmer muss damit rechnen, dass die Versicherung beispielsweise die Befunde vom Krankenhausaufenthalt von vor zwei Jahren sehen möchte, an diesen kann im Nachhinein wenig gerüttelt werden. Bei erheblichen Vorerkrankungen empfiehlt Eschelmüller, vom Makler erst einmal Probeanträge an verschiedene Institute stellen zu lassen. Hintergedanke: Wird man einmal wo abgelehnt, muss man diese Ablehnung im nächsten Antrag angeben, was mutmaßlich auch den neuen Versicherer abschreckt. Außerdem können die Zuschläge wegen Vorerkrankungen von Versicherung zu Versicherung weit unterschiedlicher ausfallen als die relativ ähnlichen Basisprämien.

Für alle, die nicht gleich zu tief in die Tasche greifen möchten, gibt es Optionstarife, bei denen einmal im Jahr die Möglichkeit besteht, das Leistungsspektrum auszuweiten, ohne dass eine neuerliche Gesundheitsprüfung anfällt.
Ein klassisches Optionsprodukt ist beispielsweise ein stationärer Tarif nur nach Unfall - eben mit einer Option, den Leistungsumfang in Zukunft auszuweiten. Besonders für Jüngere ist diese Variante interessant, da Unfälle in jungen Jahren die häufigste Ursache für einen Spitalsaufenthalt sind. Solche Optionstarife gibt es schon unter 15 Euro pro Monat.

Weiters gibt es Varianten, beispielsweise bei der UNIQA, zusätzlich zu den Unfällen nur schwerste, im Leistungskatalog aufgezählte Erkrankungen (im Wesentlichen Krebs und Herzleiden) in den Versicherungsschutz einzubeziehen.

Sonderklasse mit Selbstbehalt

Günstiger werden die Prämien auch, wenn man sich für Sonderklasse mit Selbstbehalt entscheidet; hier gibt es unterschiedliche Staffelungen der Anbieter. „Ich empfehle meinen Kunden meist einen Selbstbehalttarif, ganz besonders jungen. Die 800 oder 1.000 Euro für den Selbstbehalt legt man sich so auf die Seite, und durch die deutlich niedrigeren laufenden Prämien hab ich diesen Betrag schnell herinnen", rät Eschelmüller-Futschik.
Da die Tarife pro Bundesland analog den Spitalskosten berechnet werden, stellen Regionaltarife anstelle einer Österreich- bzw. Europa-Deckung ebenfalls eine günstige Variante dar. Allerdings nicht für Wiener, die automatisch die teuersten Prämien auf gebrummt bekommen, da hier die Spitalskosten am höchsten sind. Für Steirer oder Niederösterreicher etwa zahlt sich die Regionalvariante hingegen aus, und zwar mit einer um bis zu 40 Prozent niedrigeren Prämie.

Gilt der Versicherungsschutz bei der Sonderklasse im Allgemeinen mit Abschluss des Vertrags, so gibt es für Entbindungen in der Regel eine sechs- bis neunmonatige Wartezeit. Ausnahme ist hier die Wiener Städtische Versicherung, die auch Schwangeren die Möglichkeit bietet, schon bei der Entbindung Versicherungsschutz zu haben, allerdings müssen dann beide Elternteile und das frisch geborene Kind krankenversichert werden.

Steigende Nachfrage nach Privatarzt-Tarifen

„Mittlerweile gibt es in Osterreich schon mehr niedergelassene Ärzte ohne Kassenvertrag als solche mit", weiß Peter Thirring, Vorstand der Generali Versicherung, „und wir merken bei unseren Kunden eine immer größere Nachfrage nach den Privatarzt-Tarifen." Macht auch die Sonderklasse nach wie vor das Gros der Verträge aus, die Möglichkeit, zum qualifizierten Privatarzt zu gehen, keine Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen und nicht zuletzt das umfangreiche Leistungsspektrum ganzheitlicher beziehungsweise alternativmedizinischer Heilmethoden lassen viele auf diese Versicherungsmöglichkeit zurückgreifen.

Wer von seiner Privatversicherung so umfassend wie möglich profitieren will, muss freilich Rechnungen und Rezepte sammeln. „Erst sollte jede Rechnung bei der gesetzlichen Krankenversicherung eingereicht werden", rät Eschelmüller-Futschik, „denn sobald die gesetzlichen Versicherungen irgendetwas rückvergüten, zahlt die private zu 100 Prozent auf, ansonsten werden nur 80 Prozent bezahlt." Wer bei seiner gesetzlichen Versicherung einen Selbstbehalt hat, wie etwa Selbständige und Bauern, kann sich diesen Selbstbehalt ebenfalls rückvergüten lassen.
Übrigens: Ambulante Tarife allein werden selten verkauft, und wenn, dann können sie mit einer Wartefrist (rund drei Monate) verbunden sein. Kombiprodukte sind eher die Wahl. Die Generali bietet beispielsweise einem 40-jährigen Mann einen ambulanten Tarif plus 50 Euro Taggeld pro Tag Spitalsaufenthalt um 36 Euro pro Monat an (guter Gesundheitszustand ist Voraussetzung).

Familienrabatte oder Kinder günstig versichern

Gleich für welche Produkte man sich entscheidet, für Familien gibt es pro Person Rabatte zwischen fünf und 7,5 Prozent. Auch gleichgeschlechtliche Paare und natürlich Lebensgemeinschaften können diese Rabatte in Anspruch nehmen, solange sie gemeinsam auf einer Polizze stehen. Wem die Versicherung der ganzen Familie zu teuer ist, der kann auch die Kinder alleine versichern. Doch Achtung: Manche Anbieter, wie die UNIQA, verlangen auch in diesem Fall wirklich nur die Kinderprämie, andere wiederum stellen für ein allein versichertes Kind gleich eine Erwachsenenprämie in Rechnung.

Die günstigste Variante hierbei ist wieder die Sonderklasse Unfall mit Option, die gibt's für ein Kind schon um rund fünf Euro pro Monat. Auch Zahntarife gibt es für Kinder meist unter 15 Euro pro Monat. Ein Full-Package für die Kleinen schlägt sich dann allerdings schon mit rund 40 bis 70 Euro pro Monat zu Buche.

Neue Produktideen

Sorgen Sie sich, dass Sie sich im Alter die Prämie nicht mehr leisten werden können? Bei der Merkur Versicherung kann man beispielsweise eine Prämienreduktion um 50 Prozent ab dem 65. Lebensjahr wählen. Das bedeutet: Bei Abschluss des Vertrags wählt der Versicherungsnehmer diese Option, zahlt bis zum 65. Lebensjahr entsprechend mehr Prämie, ab dem 65er dafür um 50 Prozent weniger.

Die Allianz bietet wiederum neu eine weltweite Kostengarantie für die Sonderklasse an, wenn eine Reise-Assistance-Versicherung zusätzlich abgeschlossen wird. In diesem Fall ist man auch bei Auslandsaufenthalten gut abgesichert und kann sein Spital weltweit auswählen, wenn es in Österreich kein vergleichbares Leistungsangebot gibt (sonst ist dies oft nur innerhalb Europas möglich).

Und natürlich kann jeder noch einige Wohlfühl-Zusatzangebote wählen, beispielsweise einen Thermenaufenthalt alle zwei Jahre oder auch eine (zeitlich begrenzte) Mitgliedschaft in einem Fitness-Center. Die UNIQA geht bei einem Produkt, dem Vorsorgegedanken folgend, noch einen Schritt weiter und bietet jenen Prämienreduktionen, die freiwillig einen Fitnesstest absolvieren und dabei auch gut abschneiden. Bei diesem Fitnesstest werden nicht Blutwerte analysiert, sondern beispielsweise ein EKG, ein Ergonometrie- und Muskel- sowie Koordinationstests gemacht. „Der Trend geht meines Erachtens in Richtung Bonussysteme", glaubt UNIQA-Vorstand Peter Eichler, „diejenigen, die mehr für ihre Gesundheit tun, werden belohnt."

Was die Privatversicherung leistet

Im Spital

Beim stationären Tarif geht es rund um die Kosten, die mit einem Krankenhausaufenthalt als Privatpatient verbunden sind. Die wesentlichen Leistungen sind Sonderklasse im Krankenhaus und bei manchen Produkten auch Taggeld.

Was die Krankenhäuser betrifft, so kann eine regionale Deckung (zum Beispiel nur die Steiermark), eine Österreich-Deckung (plus einer Europa-Deckung, wenn die medizinische Leistung in Österreich nicht erbracht werden kann) oder auch eine weltweite Deckung gewählt werden. Es gibt Tarife mit und ohne Selbstbehalt, die jeden Krankenhausaufenthalt abdecken, aber auch Varianten, bei denen nur nach Unfall und/oder schwersten Erkrankungen wie Krebs oder Herzleiden bezahlt wird. Zusätzlich gibt es die sogenannten „Optionstarife", bei denen jährlich ohne neuerliche Gesundheitsprüfung der Leistungsumfang erhöht werden kann.

Beim Privatarzt

Der ambulante Tarif umfasst alle Leistungen, die rund um die Kosten bei niedergelassenen Ärzten entstehen. Das Spektrum reicht vom klassischen Honorar beim Privatarzt über Rezeptgebühren hin bis zu alternativen Heilmethoden, die allerdings ärztlich verordnet sein müssen. Zusätzlich muss der Heiler, wie beispielsweise Physiotherapeut, Homöopath oder Bachblütentherapeut, eine Berufsberechtigung haben. In diesem Bereich gibt es immer bestimmte Jahreshöchstsummen, die der Versicherte bei Abschluss der Versicherung auswählt. Im Rahmen dieser Höchstsumme gibt es dann für bestimmte Bereiche Limits, wie beispielsweise für Sehbehelfe (z. B. jedes zweite Jahr 150 Euro für eine neue Brille) oder psychotherapeutische Behandlungen. Sehr oft wird ein Tarif angeboten, bei dem 80 Prozent der Kosten übernommen werden, wenn die gesetzlichen Versicherungen gar nicht zahlen; zahlt die gesetzliche Versicherung zu, so übernimmt die private Krankenversicherung den Rest. Aber auch Tarife, wo von der privaten Krankenversicherung nur 50 Prozent bezahlt werden, sind im Angebot, allerdings ist hier das Preis-Leistungs-Verhältnis genau zu prüfen.

Die Zahnarztkosten sind immer aus dem Leistungsspektrum ausgenommen, sind aber mittels eigener Zahntarife durchaus versicherbar, wenngleich nur in Kombination mit einem ambulanten oder stationären Tarif. Für Erwachsene sind die Zahntarife meist sehr teuer - auch im Verhältnis zum Leistungsumfang, für Kinder zahlt sich der (noch relativ günstige) Zahntarif spätestens bei der ersten Zahnspange aus. Beim Zahntarif müssen sechs- bis achtmonatige Wartezeiten einkalkuliert werden.


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