Fondsgebundene Lebensversicherungen

Es braucht schon gute Nerven, um die aktuelle Krise und den Einbruch der Aktienmärkte als Chance zu betrachten, wenn man persönlich viel Geld investiert hat. Besonders weh tut es, wenn die in den letzten Jahren zu hohen Preisen erworbenen Fondsanteile mit einem Schlag zwei Drittel weniger wert sind. Vor allem Häuslbauer, die mit den Fondspolizzen als Tilgungsträger für den Hypothekarkredit ansparen, geraten durch die Börsenturbulenzen in die Zwickmühle. Dennoch sollte man derzeit von einer vorzeitigen Kündigung einer fondsgebundenen Lebensversicherung Abstand nehmen: Erstens sollte man sich einen derartigen Schritt generell gut überlegen, denn gerade in den ersten Jahren der Laufzeit ziehen die Versicherer die anfallenden Steuern und ihre Gebühren ab, und der Kunde bekommt im Fall einer vorzeitigen Kündigung nicht einmal die einbezahlten Prämien zurück. Zweitens sorgt der Einbruch an den Aktienmärkten in vielen Fällen für einen massiven Verfall der Fondsanteile, was zu massiven Verlusten führt, wenn man die Fondspolizze jetzt vorzeitig kündigt.

Fondspolizzen nicht unbedingt jetzt kündigen

Auch wenn es schwer zu glauben ist, aber gerade jetzt kann es sich auszahlen, wenn man die Fondspolizze behält und mit monatlichen Prämien weiterhin konstant anspart: Durch den Einkauf von Fondsanteilen zu Tiefstkursen profitiert man von einem späteren Wiederanstieg der Aktienkurse umso stärker, und auf lange Sicht kann man derart den sogenannten Cost-Average-Effekt perfekt ausnutzen, bei dem man durch die Durchschnittsbildung beim langfristigen Ansparen mit kleinen Beträgen profitiert. Der aktuell rasante Anstieg ist zwar laut Meinung der Experten nur von kurzer Dauer und weitere Rückschläge werden folgen, dennoch sollten die Aktienmärkte im Laufe des heurigen Jahres ihren Tiefstpunkt finden und ab 2010 mittelfristig wieder deutlich zulegen können. Anleger, die das Geld nicht unbedingt dringend brauchen, sollten sich daher eine vorzeitige Kündigung gut überlegen. Auch jene Arbeitnehmer, die in der aktuellen Krise ihren Job verloren haben, sollten die Fondspolizze nicht unbedingt gleich stornieren, sondern - insofern möglich - eine Reduktion der Prämienhöhe oder gleich eine Prämienfreistellung vereinbaren. So können Sie die monatlichen Prämienzahlungen reduzieren oder ganz einstellen, behalten aber die bereits erworbenen Fondsanteile, die am Ende der Laufzeit zu den dann gültigen Kursen ausbezahlt werden. So müssen Sie Ihre Fondsanteile nicht gleich zu Schleuderpreisen auf den Markt werfen und die hohen Gebühren für die Polizze umsonst zahlen. Auch wenn Ihre Bank aktuell von Ihnen die Stornierung der Fondspolizze für Sondertilgungen fordert sollten Sie versuchen, gemeinsam mit ihr eine andere Lösung zu finden (wie etwa eine Prämienfreistellung des Tilgungsträgers in Kombination mit der Umwandlung in ein Annuitätendarlehen).

Nur als Zusatz zur Grundabsicherung

Die aktuelle Situation bietet sich unter Umständen auch für einen Neueinstieg an, wenn man langfristig auf einen gewissen Kapitalbetrag hin ansparen möchte. Wer jetzt einsteigt, kann sich über die nächsten Monate Fondsanteile zu günstigen Konditionen einkaufen. Doch Experten des Vereins für Konsumenteninformation raten nur dann zur Wahl einer fondsgebundenen Lebensversicherung, wenn man sie „als Zusatzprodukt bei bestehender Grundabsicherung" betrachtet. „Derzeit geht bei der Grundabsicherung der Trend wieder hin zur klassischen Lebensversicherung, bei der die Kunden die Mindestverzinsung wieder zu schätzen gelernt haben. Darüber hinaus empfehlen wir beim Thema Alters Vorsorge, mit der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge zu beginnen, weil der Kunde eine Kapitalgarantie und die staatliche Prämie und darüber unter gewissen Bedingungen absolut steuerfreie Erträge erhält", beschreibt Heinz Schuster, Geschäftsführer der s-Versicherung, zu welchen Produkten man seiner Ansicht nach zur Grundabsicherung greifen sollte.

Fondssparplan vs. Fondsgebundene Lebensversicherung

Wenn nach den Prämien für die Grundabsicherung monatlich noch etwas Geld für einen langfristigen „Ansparer" bleiben sollte, stellen sich viele die Frage: fondsgebundene Lebensversicherung oder Fondssparplan? Dabei sollte man in sich gehen und ganz genau überlegen, was man von seiner Geldanlage erwartet: Im Vergleich zu einem reinen Fondssparplan ist man etwa mit einem Fonds im Versicherungsmantel vor allem in steuerlicher Hinsicht deutlich besser dran, weil man mit Abzug der vierprozentigen Versicherungssteuer von der einbezahlten Prämie keine Einkommen- oder Kapitalertragsteuern mehr zahlen muss. Dafür ist man aber mindestens zehn Jahr gebunden, während man die mittels Sparplan erworbenen Fondsanteile jederzeit verkaufen kann und auch sonst viel flexibler ist. Eine Reduktion oder Einstellung des Fondssparplans ist jederzeit ganz unbürokratisch möglich.

Nicht immer mit Kapitalgarantie

Derzeit greifen sehr viele Kunden, die eine fondsgebundene Lebensversicherung wählen, zur Garantievariante, die mittlerweile von den meisten Versicherungen angeboten wird: entweder in Form einer Höchststandsgarantie, bei der dem Kunden am Ende der Laufzeit oder ab gewissen Stichtagen 80,95 oder 100 Prozent des Höchststands garantiert werden. Bei solchen Produkten erfolgt die Veranlagung in der Regel in einen speziellen Garantiefonds, der in europäische Aktien und Anleihen investiert. Monatlich wird der aktuelle Kurs mit dem garantierten Höchststand verglichen und der jeweils höhere Wert als neuer garantierter Höchststand festgesetzt.

Eine zweite Variante ist das Angebot einer Kapitalgarantie, die dem Kunden am Ende der Laufzeit zumindest die einbezahlten Prämien abzüglich der Versicherungssteuer garantiert. Manche Anbieter bieten darüber hinaus sogar eine Garantie auf die einbezahlte Bruttoprämie. Für besonders risikoaverse Anleger oder gegen Ende der Laufzeit sind derartige Garantien empfehlenswert, aber auch teuer. Um derartige Garantien gewährleisten zu können, wird ein Großteil des Geldes in stabile, aber wenig ertragreiche Anleihen investiert. Für die Beteiligung an den Aktienmärkten bleibt nur wenig Geld übrig, und im Fall eines Aufschwungs an den Aktienmärkten ist man mit der Garantievariante deutlich im Nachteil. Garantieverzinsung und Kapitalsicherheit gewinnen wieder an Attraktivität. Es gibt aber genug Anleger, die gerade jetzt in der Situation auf dynamischere Vorsorge- und Veranlagungsformen setzen, um von dem Vorteil günstiger Einstiegskurse zu profitieren.

Um die Kunden von dieser Qual der Wahl zwischen Kapitalgarantie oder Ertragschancen zu befreien, bieten viele Anbietermittlerweile auch die Möglichkeit an, zwischen fondsgebundener und klassischer
Lebensversicherung zu switchen oder die einbezahlten Prämien auf beide Varianten aufzuteilen. Hier hat der Kunde die Möglichkeit, erwirtschaftete Gewinne im Deckungsstock einer klassischen Lebensversicherung zu sichern. Es wird empfohlen, gegen Laufzeitende die erwirtschafteten Gewinn derart im klassischen Teil zu sichern.

Auf die Kosten achten!

Bei all dem Service und der Flexibilität sollten Kunden aber gerade bei fondsgebundenen Versicherungen unbedingt mehrere Angebote einholen und die Kosten vergleichen. Sie sollten sich am besten vorrechnen lassen, was am Ende der Laufzeit nach Abzug der Steuern und Kosten übrig bleibt, wenn der Fonds einen Ertrag von null Prozent liefern sollte. So liegen etwa die Kosten für die Versicherungssteuer bei einer fondsgebunden Lebensversicherung ohne Kapitalgarantie mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einer monatlichen Prämie von 100 Euro (Mann, 30 Jahre) ohne zusätzlichen Ablebensschutz im Schnitt zwischen 2.200 und 4.700 Euro! Wenn der zugrunde liegende Fonds keinen Ertrag abwerfen sollte, bleiben somit am Ende der Laufzeit von den einbezahlten 24.000 Euro gerade einmal 20.000 bis 21.800 Euro übrig!


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