Er- und Ablebensversicherungen - zu hohe Kosten, zu wenig Ertrag

"Zu hohe Kosten, zu geringer Ertrag" lautet das vernichtende Urteil des Vereins für Konsumenteninformation, während die Versicherungsbranche vor allem die Sicherheit dieses Investments in Krisenzeiten betont. Hier Pro und Contra sowie praktische Tipps.

Vor kurzem veröffentlichte Verein für Konsumenteninformation (VKI) einen provokanten Bericht, wonach "Er- und Ablebensversicherungen derzeit nicht fürs Vorsorgesparen zu empfehlen" seien. Im Zentrum der Vorwürfe des VKI stehen die schwachen Erträge der Lebensversicherungen, die vor allem in Anbetracht der langen Laufzeiten dieser Produkte viel zu gering ausfallen. Laut VKI-Erhebung verliert man bei den meisten Anbietern unterm Strich sogar Geld, wenn man nur von der garantierten Mindestverzinsung ausgeht. Zwar erhalten die Anleger in der Regel durch Gewinnbeteiligungen einen höheren als den garantierten Mindestzins, aber auch hier gingen die Erträge seit der Jahrtausendwende rapide zurück.

Zinsentief

Schuld daran ist zum einen das dramatisch niedrige Zinsniveau - Anleihen, Sparbücher, Festgeldkonten. Versicherungsgesellschaften müssen gemäß ihrem Geschäftsmodell das Geld der Anleger besonders konservativ veranlagen. Schließlich bieten sie eine Kapitalgarantie und Mindestzinsen auf das eingezahlte Kapital - abzüglich der Kosten, versteht sich. Und genau hier setzt die Kritik des VKI an: Die angegebene Verzinsung bei Lebensversicherungen bezieht sich immer nur auf den Sparanteil. Wenn die Anbieter aktuell etwa 3,5 Prozent Verzinsung angeben, ist die tatsächliche Rendite bezogen auf die eingezahlten Prämien deutlich geringer, weil nur 70 bis 85 Prozent des Geldes tatsächlich im Sparanteil landen. Der Rest wird laut VKI vorab abgezogen: Vier Prozent Versicherungssteuer plus Abschlusskosten für die Vermittlungsprovision, plus Verwaltungskosten und Stückkosten und die Kosten für den Ablebensschutz.

Was tun?

Laufende Versicherungsverträge zu kündigen, um dann neue Verträge abzuschließen, ist definitiv keine Alternative. Hier schlägt die Kostenfalle gleich doppelt zu. Kostenseitig bringt die Umstellung von monatlicher auf jährliche Zahlung etwas, man erspart sich damit den Unterjährigkeitszuschlag, der langfristig ordentlich an den Erträgen nagen kann. Auch eine Reduktion der Prämienzahlung oder eine Prämienfreistellung ist eine Option, wenn es der Vertrag erlaubt. Aber Achtung: Wenn man den Vertrag ohne weitere Prämienzahlungen weiterlaufen lässt, können die laufenden Kosten das angesparte Kapital eventuell aufzehren.

Tipp: Trennen Sie Pensions- von der Risikovorsorge! Bei einer kombinierten Er- und Ablebensversicherung verlieren Sie im Schnitt ein Prozent p.a. der wertvollen Performance für die Risikoabsicherung. Daher eine reine Erlebensversicherung wählen und nur bei Bedarf (Absicherung von Krediten, Familie, . . .) eine zusätzliche Risikoversicherung abschließen.


Suchen