Anlegen für später – aber bitte ganz sicher!

Die Versicherungen spüren derzeit den Trend zu mehr Sicherheit deutlich: „Die Leute greifen wieder verstärkt zur klassischen Lebensversicherung, die sich schon früher als krisenfest bewährt hat. Sie ist vom Staat streng reglementiert, der Deckungsstock ist selbst im Konkursfall einer Versicherung Sondervermögen", begründet Mathias Frisch, Leiter Personenversicherung der Wiener Städtischen, den aktuellen Trend. „Derzeit sind 2,25 Prozent auf die Sparprämie garantiert, und insgesamt rund vier Prozent sollten schon immer drin sein."

Doch was, wenn die Lage an den Börsen in einigen Jahren wieder weit besser aussieht - verbaut man sich mit so einer ganz sicheren Anlage nicht alle Chancen auf höhere Gewinne? Die Antwort ist „jein". Selbstverständlich partizipieren auch klassische Lebensversicherungen an Kurssteigerungen an den Finanzmärkten, aufgrund ihrer geringen Aktienquote aber stets geringer als aktienlastigere Veranlagungen. Außerdem schlagen sich Kursgewinne nach mageren Jahren bei Lebensversicherungen immer erst ein paar Jahre später nieder, da man hier in schlechten Jahren Reserven abbaut - und damit Verluste besser abfedert als anderswo -, in guten Jahren aber diese Reserven erst einmal auffüllt, bevor die Gewinne in größerem Ausmaß wieder den Kunden zugeschrieben werden.

In besseren Börsenjahren wird man daher mit einem Fondsansparplan oder einer fondsgebundenen Lebensversicherung mit stärkerem Aktienanteil besser fahren. Dafür ist man dort in schlechten Börsenphasen schlechter geschützt.

Weiterhin 9,5 Prozent Prämie

Wer sich für eine prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge entscheidet, kann übrigens im nächsten Jahr ebenso wie heuer mit 9,5 Prozent Prämie vom Staat rechnen. Zu haben ist sie als Versicherungs-, aber auch als Fondsvariante (Letztere von Raiffeisen Capital Management, Erste Bank oder der Volksbanken AG). Zu ihren Vorteilen zählt neben dieser staatlichen Prämie die komplette Steuerfreiheit des Produkts, die Garantie (100 Prozent auf die Einzahlungen plus die Summe der staatlichen Prämien). Ihr größter Nachteil ist dafür die mangelnde Flexibilität. Vor der Mindestlaufzeit von meist zehn Jahren kann man gar nicht an sein Geld heran, danach droht - nicht bei allen, aber einigen Anbietern - die Nachversteuerung sowie die Rückzahlung der Hälfte der staatlichen Prämien, wenn man sein angespartes Geld „widmungswidrig" verwendet. Das ist unter anderem dann der Fall, wenn man das Geld statt als Rente bei Pensionsantritt als Einmalzahlung haben will. Weiters müssen derzeit jedenfalls mindestens 40 Prozent in Aktien des ATX (bzw. anderer kleinkapitalisierter EU-Börsen) angelegt werden, was besonders in den Jahren vor Ablauf des Vertrags unnötig hohe Garantiekosten aufwirft. Die Anbieter fordern daher schon lange mehr Spielraum bei der Veranlagung.

Wie flexibel ist man?

Im Bereich der klassischen sowie fondsgebundenen Lebensversicherungen zeigt sich hingegen beim Thema Flexibilität eine erfreuliche Entwicklung: Bei einigen Anbietern kann man mittlerweile zwischen klassischen und fondsgebundenen Lebensversicherungen einfach umwechseln. Früher musste man stets den Altvertrag kündigen und gröbere Abschläge in Kauf nehmen. Beispielsweise kann man bei der Allianz heute von der „Kapitalversicherung", einer klassischen Er- und Ablebensversicherung, auch in eine hauseigene Fondsgebundene überwechseln, wenn es mit den Börsen wieder bergauf geht. Die Nürnberger ermöglicht umgekehrt Umstiege aus ihren Fondsgebundenen in die Klassische, ebenso die Generali bei ihrer „Future Invest" (Fondsgebundene mit Garantiefonds). Die UNIQA macht mit ihrer „FlexSolution" (fondsgebundene und klassische Lebensversicherung in einer Hülle) das Umsteigen in beide Richtungen möglich: „Hier kann man einen Teil in die klassische, einen Teil in die fondsgebunden Lebensversicherung investieren und je nach Marktlage und privatem Lebenszyklus kann man kostenlos hin- und hershiften. Derzeit schlägt das Pendel mehr in Richtung klassische Lebensversicherung", schildert UNIQA-Vorstand Elisabeth Stadler. Ihr Haus verspricht auch ausdrücklich, dass beim Umstieg keine Kosten fällig werden, eine Frage, die man mit seinem Versicherer vorab erst klären muss.

Ansonsten gilt: Bei Fondssparplänen und fondsgebundenen Lebensversicherungen kann man jedenfalls die zu besparenden Fonds wechseln, wobei bei den Fondsgebundenen die Auswahl auf bestimmte Portfolios (z. B. „dynamisch" mit hohem Aktienanteil, „konservativ" mit hohem Anleihenanteil) bzw. ausgewählte Fonds oder Dachfonds beschränkt ist.

Kinder vor

Speziell für Kinder haben einige Anbieter eigene Produkte entwickelt, die Garantien mit Chancen auf mehr verbinden, es sind allesamt fondsgebundene Lebensversicherungen: Etwa „Zurich Junior Invest" von Zurich, „s Lebensplan High-Fix" von der s-Versicherung, „CleVestino" von Helvetia, der „Kindersparbrief" von der Basler Versicherung sowie die „BAWAG Startvorsorge". Sie bieten meist Höchststandsgarantien und stets einen besonderen Schutz: Verstirbt der versicherte Versorger, so übernimmt die Versicherung die Prämienzahlungen bis Ende der Laufzeit (unter Umständen nur bis zu einem Höchstalter des Kindes, etwa bis zum 27. Lebensjahr bei der Helvetia). Dass auch in der derzeitigen Lage für Kinder fondsbasierende Produkte angeboten werden, ist insofern folgerichtig, da sie üblicherweise einen längeren Anlagehorizont haben. In 20 oder 30Jahren sollte die derzeitige Krise nach bisherigen Erfahrungswerten wohl doch ausgesessen und sogar wieder spürbare Gewinne zu erwarten sein, eine Garantie dazu (je nach Anbieter mal auf 100 Prozent der Sparleistung wie bei Helvetias CleVestino, mal auf 85 Prozent Höchststandsgarantie nach zehn Jahren wie beim Kindersparbrief der Basler) sorgt zumindest für eine gewisse Absicherung nach unten (auch wenn diese stets etwas von der Rendite kostet).

Selbstverständlich können für Kinder auch Produkte gewählt werden, die nicht ausdrücklich für sie entworfen wurden. Sei es eine prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge (Achtung, Auszahlung ohne Strafabschläge ist hier aber erst im Pensionsalter des Kindes als Rente möglich, und in den ersten zehn bzw. zwölf Jahren überhaupt nicht!), eine „normale" fondsgebundene oder eine klassische Lebensversicherung.

Näher unter die Lupe genommen sollten dabei Produkte werden, die keinen oder nur einen geringen Ablebensschutz (Ablebensversicherung) beinhalten, da Kinder üblicherweise im Todesfall niemanden versorgen müssen, so ein Ablebensschutz aber Geld kostet, das weniger angelegt werden kann. An den Mindesteinzahlungsbeträgen sollte es selten scheitern, da die allermeisten Produkte schon ab einer Sparleistung von 20, 25 Euro zu haben sind, einige sogar schon ab zehn Euro im Monat.

Tipp: Sind im Hintergrund keine Fonds im Produkt, sollte man jedenfalls eine einmal jährliche oder eventuell vierteljährliche Zahlungsweise einer monatlichen vorziehen, da seltenere Einzahlungen für die Versicherungen weniger Verwaltungsaufwand und damit geringere Kosten bedeuten. Monatliche Zahlungsweise ist nur bei Fonds zu empfehlen, um den sogenannten „Cost-Average-Effekt" (in schlechten Börsenzeiten bekommt man ums gleiche Geld mehr Fondsanteile als in guten, zahlt man in kurzen Abständen jeweils kleine Beträge ein, kann man an allen Börsenlagen teilhaben) zu nützen.

Zusatztipp: Ein Abbuchungsauftrag kommt auch stets billiger als Einzahlungen per Zahlschein.


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